
Jedes zehnte Kind einsam: Uni Witten/Herdecke will das verbessern
Jedes zehnte Kind ist immer und chronisch einsam. Zu dem Schluss kommt die Uni Witten/Herdecke, die das Thema im Rahmen eines großen Forschungsprojekts genau ins Auge fasst. Jetzt soll ein Konzept her.
Veröffentlicht: Freitag, 22.05.2026 12:25
Einsamkeit: Ein großes Problem bei uns in der Region
Ein Reel auf Instagram nach dem anderen rauscht an Tim vorbei. Mal sind es virale Früchte, die miteinander reden, mal Tänze, dann schreit ein Infleucner durchs Display. Er ist den ganzen Tag Zuhause und wie immer am Handy. Freunde hat der 8-Jährige keine. In der Schule spricht er mit niemanden. Einige Jahre später hat er Depression, fühlt sich wertlos und hat keinen Abschluss.
Durch Einsamkeit im Kindesalter können „Einsamkeitsbiografien“ entstehen, fasst es Professor Dr. Susanne Bücker von der Uni Witten/Herdecke zusammen. Das Beispiel von Tim ist frei erfunden – das Problem dahinter aber echt. Und vor allem ernst.
Einsamkeit führt zu großen Problemen
Die Uni Witten/Herdecke macht bei einem großen Forschungsprojekt mit. „Inspire Youth“ heißt das und hat ein Ziel: Licht ins Dunkel bringen. Wie viele Kinder sind einsam? Was macht Einsamkeit mit Kindern? Wissen sie überhaupt, was das Wort bedeutet? Es sei die erste Studie in Nordrhein-Westfalen, die Einsamkeit im Grundschulalter systematisch untersucht, sagt die Uni.
Und es gibt erste Erkenntnisse. Viele Kinder erleben Einsamkeit, können sie aber nicht benennen. Ein „Gefühl ohne Worte“ nennt Bücker das. Rund ein Drittel kann den Begriff nicht erklären. Vor allem Kinder, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind. Ohne darüber sprechen zu können, bekommen Kinder nicht so gut Hilfe.
Einsamkeit: Ein Konzept soll helfen
Außerdem führt Einsamkeit zu vielen Probleme. Psychische Erkrankung werden begünstigt – etwa Depressionen. Die schulischen Leistungen leiden. Und weil Einsamkeit für Stresshormone im Körper sorgen kann, können Kinder auch körperlich leiden. Zum Beispiel häufiger krank werden. Das sagt uns Bücker. Einsamkeit sei verbreitet – und bleibe zu oft ungesehen.
Das Projekt „Inspire Youth“ soll die Situation aber auch verbessern. Über 400 Grundschulkinder im Ruhrgebiet wurden befragt. Auch Eltern und Lehrkräfte. Jetzt soll ein Präventionskonzept entstehen. Kinder sollen besser lernen, das Gefühl auszudrücken. Und Schulen für ein größeres Zugehörigkeitsgefühl sorgen. Die Ideen und Maßnahmen werden wissenschaftlich begleitet und es wird geguckt: Bringt es was? In der Hoffnung, für eine nachhaltige Verbesserung zu sorgen.

