
Zeitumstellung: So fahrt ihr sicher durch den Herbst
Nach der Zeitumstellung am Sonntag steigt die Wildunfallgefahr. ADAC und TÜV NORD geben Tipps für sicheres Fahren in der Dämmerung im Ennepe-Ruhr-Kreis.
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Mit der Zeitumstellung steigt auf den Straßen in Nordrhein-Westfalen wieder die Gefahr von Wildunfällen. Der Grund: Es wird abends eine Stunde früher dunkel, und viele Wildtiere sind wieder zeitgleich mit dem Berufsverkehr unterwegs.
Wildtiere kennen keine Zeitumstellung
Der TÜV NORD weist darauf hin, dass die Umstellung nicht automatisch für mehr Wildwechsel sorgt. Sie verschiebt aber viele Fahrten in die Dämmerungsphasen, in denen Tiere aktiv sind. Wer über Land fährt, besonders entlang von Feldern und Wäldern, sollte deshalb jetzt besonders aufmerksam sein. Im Ennepe-Ruhr-Kreis gilt das zum Beispiel auf Strecken, die an Waldstücken vorbeiführen.
Tempo reduzieren und bremsbereit bleiben
An Waldstücken und Feldrändern sollten Autofahrer vorausschauend fahren. In der Dämmerung gilt: Geschwindigkeit anpassen und die Straßenränder im Blick behalten. Eine freie und vertraute Strecke sollte nicht dazu verleiten, die Gefahr zu unterschätzen. Wer langsamer fährt, gewinnt wertvolle Zeit zum Reagieren.
Auf Wildwarnreflektoren sollten sich Autofahrer nicht verlassen. Sogenannte Lichtzäune bündeln das Scheinwerferlicht der Autos und sollen so eine abschreckende Barriere zwischen Fahrbahn und Wald schaffen. In der Praxis ist die Idee laut ADAC aber wirkungslos.
Wild am Straßenrand: Auch bei ruhigen Tieren abbremsen
Ein Reh am Straßenrand kann plötzlich auf die Fahrbahn springen, selbst wenn es das herannahende Auto ansieht. Autofahrer sollten deshalb deutlich langsamer werden, gegebenenfalls bis auf Schrittgeschwindigkeit. Durch Hupen lässt sich das Tier in den meisten Fällen verscheuchen. Auch nach einem querenden Tier sollten Autofahrer vorsichtig weiterfahren, denn oft folgen weitere Tiere dem ersten.
Wild auf der Fahrbahn: Fernlicht aus und bremsen
Steht Wild auf der Straße, sollten Autofahrer abbremsen und abblenden. Fernlicht kann die Tiere blenden. Das grelle Licht verwirrt sie und nimmt ihnen die Orientierung. Häufig bleiben sie dann verunsichert stehen und laufen nicht weiter.
Kollision nicht mehr zu verhindern: Spur halten
Lässt sich ein Zusammenstoß nicht mehr vermeiden, gilt: kräftig bremsen, das Lenkrad festhalten und die Spur halten. Auf keinen Fall sollten Autofahrer ausweichen. Ein unkontrolliertes Ausweichmanöver kann im Gegenverkehr oder an einem Baum enden. Entscheidend ist, die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten.
Nach dem Wildunfall: Unfallstelle absichern und Hilfe rufen
Nach einer Kollision mit einem Wildtier sollten Autofahrer diese Schritte beachten:
- Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen und die Unfallstelle absichern.
- Bei Verletzten den Notruf 112 wählen und Erste Hilfe leisten.
- Auch ohne Verletzte die Polizei unter 110 verständigen. Das gilt ebenso, wenn das angefahrene Tier geflüchtet ist.
- Verletzte Tiere nicht anfassen und Wild keinesfalls mitnehmen.
- Für die Versicherung eine Wildschadenbescheinigung ausstellen lassen.
Laub, Nässe und Reifen: Mehr als nur Wild
Der TÜV NORD erinnert daran, dass im Herbst mehrere Faktoren zusammenkommen. „In der dunklen Jahreszeit fallen gleich mehrere sicherheitsrelevante Faktoren zusammen: Die Sicht kann eingeschränkt sein, die Fahrbahn weniger Haftung bieten und am Straßenrand können Menschen oder Tiere unerwartet aus der Dunkelheit auftauchen“, sagt Umut Mousaoglou, Leiter der TÜV NORD Station Gevelsberg.
Sinkende Temperaturen, Nässe und Laub können die Haftung der Reifen verringern. Das zeigt sich besonders beim Bremsen, in Kurven und bei Ausweichmanövern. Der Herbst ist deshalb ein guter Zeitpunkt, Profil, Luftdruck, Reifenalter und mögliche Beschädigungen prüfen zu lassen. Auch den Wechsel auf Winterreifen sollten Autofahrer rechtzeitig planen. Ausschlaggebend ist laut Mousaoglou nicht ein bestimmter Kalendertag, sondern die Strecke, auf der man tatsächlich fährt. Wer schon jetzt mit Frost oder Glätte rechnen muss, sollte nicht warten.
Licht und Sicht: Kostenloser Lichttest im Oktober
Im Herbst kann das Wetter schnell umschlagen. Nebel nimmt Kontrast und Sichtweite, die tief stehende Sonne blendet, und hohe Luftfeuchtigkeit lässt die Scheiben von innen beschlagen. Eine verschmutzte Windschutzscheibe verstärkt Lichtreflexe zusätzlich. Saubere Scheiben und intakte Wischerblätter sind deshalb ebenso wichtig wie eine richtig eingestellte Beleuchtung. Ist der Scheinwerferkegel zu hoch eingestellt, blendet er den Gegenverkehr. Ist er zu niedrig, bleiben wichtige Bereiche der Fahrbahn dunkel.
Auf die Lichtautomatik ist bei Nebel und Regen nicht immer Verlass. Bei manchen Fahrzeugen bleibt das Tagfahrlicht aktiv, während die Rückleuchten aus sind. „Die Automatik reagiert vor allem auf Helligkeit, nicht unbedingt auf jede Wetterlage“, so Mousaoglou. Autofahrer sollten daher prüfen, ob das Abblendlicht wirklich eingeschaltet ist, und es gegebenenfalls manuell aktivieren. Den gesamten Oktober über bietet der TÜV NORD dafür einen kostenlosen Lichttest an.
Laternenzeit: Kinder im Dunkeln früh erkennen
Mit der Dunkelheit kehrt auch die Laternenzeit zurück. Wer eine Laterne trägt, ist aber nicht automatisch gut sichtbar. Kinder können in der Dämmerung zwischen parkenden Fahrzeugen, an Einmündungen und an Querungsstellen oft erst spät zu erkennen sein. „Wildwechsel und Laternenumzüge haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. In beiden Fällen können Bewegungen am Fahrbahnrand jedoch im Dunkeln bleiben“, sagt der TÜV-Experte. Autofahrer sollten deshalb den Seitenraum mitbeobachten und ausreichend Bremsweg einplanen.