
Zu Besuch bei Gemüsebetrieben in Witten und Hattingen
Nach dem Hitze-Sommer 2026 in Hattingen und Witten, beziehungsweise der ganzen Region, hat Radio Ennepe Ruhr bei ökologischen, lokalen Gemüsegärtnern und -Produzenten nachgefragt, wie es ihnen geht, und wie sie mit veränderten klimatischen Bedingungen umgehen. Bei der Ernte zeigt sich die Bilanz des Sommers.
Veröffentlicht:
Hitze-Sommer in Hattingen und Witten: wie geht es unserem Gemüse?
Nach dem Hitze-Sommer 2026 in Witten und Hattingen, so wie in der ganzen Region, haben wir bei lokalen Gemüsebauern im ökologischen Bereich nachgefragt: Wie geht es unserem Gemüse? Was für eine Bilanz ziehen die Gemüseproduzenten bei uns aus dem vergangenen Sommer, und wie gehen sie mit den veränderten klimatischen Bedingungen um?
Zum Thema Kartoffeln und Getreide haben wir bei Dirk Liedmann nachgefragt – einer der beiden Betriebsleiter der Kornkammer in Witten. "Der Raps war richtig gut", erzählt er uns im Radio-Ennepe-Ruhr-Interview. Auch Gerste habe diesen Sommer gut funktioniert. Anders sehe es bei Kartoffeln aus. Liedmanns Betrieb ist schon länger veränderte klimatische Bedingungen angepasst - er pflanzt seine Kartoffeln deshalb besonders früh ein. Deswegen war die Kartoffel-Ernte für ihn nur leicht unterdurchschnittlich. Kollegen, die später einpflanzten, seien zusammengebrochen. Zweimal musste er künstlich bewässern - im Juni und Juli, pro Hektar braucht das 600 Kubikmeter Wasser. Bei den später eingepflanzten Sorten wie Weizen, Hafer, Dinkel und Roggen hat es laut ihm in diesem Jahr 20 - 30 Prozent weniger Ernte gegeben. Dirk Liedmann sagt auch: es geht ganz klar nicht um Trockenheit. Die Hitze an sich wäre das große Problem diesen Sommer gewesen.
Nach Hitze-Sommer spricht Hattinger Gemüsebetrieb von "wirtschaftlichem Totalausfall" bei der Kürbisernte
In Hattingen gibt es im Windrather Tal viele Gemüsebetriebe. Aber auch im Felderbachtal gibt es einige. Genau da waren wir und haben mit Imrick Wohlfahrt gesprochen, Gemüsebauer und Betriebsleiter vom Wünner Hof, einem kleinen ökologischen Betrieb an einem Hang. Er baut Salate und Bohnen im Frühjahr an, aus dem Freiland erntet er eine ganze Bandbreite, etwa Wurzelgemüse, Pestinaken oder Kohl.
Dieses Jahr war sehr extrem, erzählt uns Imrick Wohlfahrt. Das Frühjahr war in Ordnung und dann hat es im Juni aufgehört zu regnen. Unter dem Wünnerhof liegt kein Grundwasser - sondern Schichtwasser. Also wasserführende Schichten, die vollaufen im Winter. Die Frage ist jeden Sommer: halten sie bis zum Ende aus? Trotz der Dürre konnte uns Imrick sagen: Diesen Sommer gab es genug Wasser. Auch der Boden habe Schlimmeres verhindert. Sandiger Lehm liegt unter dem Wünnerhof, der kann viel Wasser speichern. Aber auch der kleine Wünner Hof hat die Dürre stark gemerkt.
Flächen, die nicht zusätzlich bewässert wurden, hatten einen Ernteausfall von 40-50 Prozent, so der Gemüsebauer. Besonders schlecht liefen dort Kürbisse - Imrick Wohlfahrt nennt die Kürbis-Ernte einen "wirtschaftlichen Totalausfall".
Gut überstanden hat die Hitze der Porree - auch ohne Bewässerung. Der Hattinger Gemüsebetrieb versucht schon lange, die Folgen des Klimawandels abzufangen. Sie nutzen Kleegras und anderes organisches Material und tun ihn ins Gewächsaus über den Boden - wie eine Art Sonnencreme. Besonders für Tomaten und Gurken dort hat sich der Wasserspartipp bewährt. Um wirtschaftlichen Herausforderungen, durch etwa Diesel-Preise oder neue Gesetze, etwas entgegenzusetzen, gibt es nun auch ein Schnittblumenfeld. Das wird jedoch für den Winter nicht mehr zügänglich sein. Der Gemüsebauer lässt die restlichen Blumen jedoch stehen - dann schlafen dort Insekten in den kalten Monaten.
Witten-Heven trotzt der Klimaveränderung mit cleveren Anbau-Tricks
Auch ein weiterer Betrieb in Witten ist vom Hitze-Sommer betroffen - Matthias Brohl vom Hevener Feld zieht für uns ebenfalls Bilanz. Besonders haben sie es selbst in den Armen gemerkt - denn sie arbeiten ohne Traktor, "ganz wie bei Oma", so der junge Gemüsegärtner. Dafür können ihnen die Diesel-Preise egal sein. Einige Pflanzen freuen sich sogar über Hitze, etwa Paprika und Aubergine. Mit einer Wasser-Konstruktion baut er Sauna-Wetter in ihre Gewächshäuser.
Als wir ihn mitte September besuchen, wurden gerade Paprikas geernet - mehr als 1.000 Stück wurden dabei aus dem Gewächshaus herausgeholt. Die landen dann in den Gemüsekisten des Hevener Felds. Dabei haben sie sich für sogenannte solidarische Landwirtschaft entschieden - jeden Monat wird der gleiche Preis für eine Gemüse-Kiste von ihnen gezahlt. Dann wird geernet, was reif ist, und das unter den Gemüsekisten verteilt; Egal, wie groß oder wieviel Stück tatsächlich geerntet werden. Das macht den Betrieb krisenfester.
Der kleine Gemüsebetrieb in Witten-Heven hat auch eine besondere Gemüsebau-Strategie, um Ressourcen zu sparen. "Inter-Cropping heißt das", erzählt uns Matthias. Das bedeutet, dass wenn eine Pflanze etwas größer ist, kann darunter noch eine Pflanze wachsen - zwei Pflanzen für einmal Platz, quasi.
Anfang Herbst bedeutet aber nicht nur Erntezeit von Paprika und Kisten vorbereiten für das Hevener Feld. Bald werden noch Wintergrün eingepflanzt und dann geht die Arbeit vor Allem in den Gewächshäusern weiter. Ein besonderes Highlight wird für Matthias Brohl ein neuer Versuch, Zuckerschoten für den Winter anzubauen.






