Organspende: Betroffene & Mediziner im Interview

Schockierende Zahlen: Rund 2000 Menschen in NRW sind auf eine Organ-Spende angewiesen. Letztes Jahr gab es aber gerade mal 179 Leute, die Organe gespendet haben. Damit ist die Spendenbereitschaft in unserem Bundesland deutschlandweit am niedrigsten. Während in NRW auf eine Million Einwohner nur zehn Spender kommen, sind es in Ostdeutschland bis zu 15.

© Radio Ennepe Ruhr

Fakten zur Organspende

In ganz Deutschland benötigen rund 10.000 Menschen neue Organe, letztes Jahr wurden aber nur 1524 Nieren, 726 Lebern, 329 Lungen, 324 Herzen, 87 Bauchspeicheldrüsen und fünf Dünndärme an die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant übermittelt. Diese verteilt die Organe dann innerhalb der acht beteiligten Länder. Wer in Deutschland ein neues Organ erhält, wird nach einheitlichen Richtlinien über medizinische Kriterien der Dringlichkeit und Erfolgsaussicht entschieden. Deutschland bekam auch in 2019 mehr Organe aus dem Eurotransplant-Verbund, als es eingebracht hat. Auf eine Niere warten deutsche Patienten im Schnitt zehn Jahre!

Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse stehen 84 Prozent der Bundesbürger Organspenden generell eher positiv gegenüber. Aber nur 40 Prozent der Befragten haben überhaupt einen Organspendeausweis.

Heute hat der Bundestag darüber entscheiden, dass es keine doppelte Widerspruchslösung bei der Organspende geben wird. Es gilt, dass sich jeder potentielle Organspender aktiv melden muss, wenn er nach seinem Tod Herz, Niere, Leber, etc. spenden will. Mit der Widerspruchsreglung wäre jeder von uns automatisch Organspender gewesen und hätte dann aktiv widersprechen müssen, wenn er damit nicht einverstanden wäre.

Ein Betroffener erzählt

Sven Krechting beim Radio Ennepe Ruhr-Interview© Radio Ennepe Ruhr
Sven Krechting beim Radio Ennepe Ruhr-Interview
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Sven Krechting aus Wetter ist 28 Jahre alt. Schon mit zwei Jahren bekam er ein neues Herz transplantiert. Normalerweise halten Spenderherzen nur zehn bis 15 Jahre - seins hielt immerhin 23 Jahre durch. Vor zwei Jahren bekam der Wetteraner sein zweites Herz.

Der mehrwöchige Aufenthalt in der Klinik in Bad Oeynhausen war für ihn sehr schlimm, erklärt er im Interview. Er dürfte nicht aufstehen und musste alles im Liegen machen. Aktuell wartet er auf eine neue Niere. Die Hoffnung gibt er aber nicht auf: Er sagt, dass er für sich und seine Eltern kämpft. Er hofft, dass der Bundestag das Widerspruchsrecht bei der Organspende beschließt. Damit könnte es zukünftig mehr potentielle Spender geben, meint er. 

Das ganze Interview mit Sven im Video

Der Wetteraner Sven Krechting hat als Kleinkind sein erstes Spenderherz erhalten, mit Mitte zwanzig sein zweites. Jetzt benötigt er dringend eine neue Niere. Im Interview mit Radio Ennepe Ruhr-Morgenmoderator Lars Hasenbein erzählt er seine Geschichte. Außerdem findet er, jeder sollte automatisch Organspender sein, außer er widerspricht.

Der Experte klärt auf

Transplantationsmediziner Professor Dr. Richard Viebahn (r.) im Gespräch mit Radio Ennepe Ruhr-Moderator Lars Hasenbein© Radio Ennepe Ruhr
Transplantationsmediziner Professor Dr. Richard Viebahn (r.) im Gespräch mit Radio Ennepe Ruhr-Moderator Lars Hasenbein
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Professor Dr. Richard Viebahn ist seit 2002 Leiter des Transplantationszentrums am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum und seit 2009 Ärztlicher Direktor des Klinikums. Er ist Vorsitzender der Ethikkommission der Deutschen Transplantationsgesellschaft.

Für die Versorgung der Transplantationspatienten in Bochum stehen eine eigene Station sowie eine Nachsorge-Ambulanz zur Verfügung. Es werden regelmäßig Nieren und Bauchspeicheldrüsen verpflanzt, wobei in den letzten Jahren die Lebendnierenspende an Bedeutung gewonnen hat.

Das Transplantationszentrum führt sämtliche operativen Eingriffe bei Transplantationen sowie die Nachsorge und medikamentöse Einstellung von organtransplantierten Patienten durch. Mit rund 140 Organtransplantationen im Jahr, wovon 25 % der Patienten eine Kombinationsoperation erhalten, nimmt das Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer einen Spitzenplatz bei der kombinierten Transplantation von Niere und Bauchspeicheldrüse in Europa ein.

Fragen & Antworten von Prof. Viebahn im Video

Professor Dr. Richard Viebahn ist seit 2002 Leiter des Transplantationszentrums am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum und seit 2009 Ärztlicher Direktor des Klinikums. Er ist Vorsitzender der Ethikkommission der Deutschen Transplantationsgesellschaft. Im Gespräch mit Radio Ennepe Ruhr-Moderator Lars Hasenbein erklärt er, wie die Organspende funktioniert und wieso er für eine Reform der bisherigen Gesetzeslage zu diesem Thema ist. Außerdem antwortet er auf Fragen der Hörer.

Die Interviews als Podcast

Im Radio Ennepe Ruhr-Podcast beschäftigten sich die neuesten beiden Folgen mit dem Thema Organspende - dort findet ihr sowohl das Interview mit Sven Krechting als auch die Antworten von Prof. Dr. Richard Viebahn auf eure Fragen zur Organspende. Hier könnt ihr alle Folgen abrufen:

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