PCB-Belastung in Ennepetal

Die Anwohner in zwei Ennepetaler Stadtteilen sind seit Monaten verunsichert, weil es giftigen PCB-Niederschlag gegeben hatte. Grünkohl-Proben belegen jetzt, dass auch die Luft belastet ist. Der Ennepe-Ruhr-Kreis spricht von einem bisher einmaligen Fall und verspricht lückenlose Aufklärung.

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Neue Untersuchungsergebnisse

Das Landesumweltamt hat im Sommer Kübel mit Grünkohl aufgestellt, weil dieser Schadstoffe aus der Luft besonders gut aufnimmt. Das Ergebnis: In Oelkinghausen, nördlich der Firma BIW, ist der übliche PCB-Wert um das 14-Fache überschritten worden. Neu ist: Auch das Wohngebiet Büttenberg ist betroffen. Dort wird der sogenannte Hintergrundwert noch um das 3,5-Fache überschritten. Das ausgestoßene PCB ist also vom Wind weitergetragen worden und hat sich auf den Grünkohl-Pflanzen abgesetzt. Wolfgang Flender ist beim EN-Kreis Abteilungsleiter im Bereich Umwelt. Er fasst das offizielle Messergebnis zusammen.

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Empfehlungen für Anwohner

Eine akute Gefahr besteht laut Kreis nicht. Eltern können ihre Kinder ohne Bedenken draußen spielen lassen, da es keine erhöhte Belastung im Boden gibt. Für den Anbau von Obst und Gemüse im eigenen Garten gibt es jetzt aber neue Empfehlungen:

  • In Oelkinghausen, nahe der Firma BIW, sollte Blattgemüse nicht angebaut und gegessen werden. Gemeint sind beispielsweise Grünkohl, Spinat, oder Blattsalate.
  • In Büttenberg sollten diese Sorten höchstens zweimal pro Woche verzehrt werden.

Betroffen sind also speziell Sorten mit großen Blättern. Andere Gemüsesorten, wie Tomaten, Möhren oder Gurken, können überall gegessen werden. Das gilt auch für Obst. Hobbygärtner sollten ihre Ernte aber waschen oder schälen.


Anwohner werden zum Bluttest eingeladen

Die leitende Amtsärztin unseres Kreises nimmt die Sorgen der Ennepetaler ernst. Deswegen ist eine großangelegte Blutuntersuchung geplant. 900 bis 1000 Anwohner werden kontaktiert. Sie können freiwillig Blut abgeben. Solche Untersuchungen geben Aufschlüsse über die innere Belastung des Organismus. Denn Anwohner befürchten, dass ihre Gesundheit unter der PCB-Belastung leiden könnte. Untersucht werden Kinder, die am ehesten betroffen sein könnten, aber auch Frauen, die noch Kinder bekommen können. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Klar ist aber: Mit Kosten von etwa 1000 Euro pro Test werden die Blutuntersuchungen eine teure Angelegenheit. Zu den Gefahren von PCB sagt Amtsärztin Sabine Klinke-Rehbein:

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Weitere Untersuchungen in Ennepetal

Bei den jetzigen Ergebnissen will der Ennepe-Ruhr-Kreis es nicht belassen. In diesem Jahr wird erneut Grünkohl gepflanzt. Das Gebiet dieser Untersuchungen wird Richtung Norden nach Büttenberg erweitert. Zu 90% wird PCB 47 über Nahrung aufgenommen, zu 10% über die Atemluft. Deswegen wird in Büttenberg eine Luftmessstation aufgestellt. Im Monatsrhythmus soll es ab Februar oder März aktuelle Luftwerte geben. Erst wenn keine Belastungen mehr vorliegen, sollen die Messungen eingestellt werden, verspricht der Kreis.

Firma als Verursacher im Blick

Der Ennepe-Ruhr-Kreis teilt mit, dass die PCB-Belastung nur von der Firma "biw" ausgehen könne. Darauf deute alles hin. Der Kreis hat das Unternehmen jetzt angeschrieben: Bis Ende Januar soll es unter anderem erklären, was es gegen den Ausstoß von PCB tun will. Reagiert die Firma nicht, seien Zwangsmaßnahmen der nächste Schritt, heißt es. Wolfgang Flender vom Ennepe-Ruhr-Kreis dazu:

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Ennepetaler werden informiert

Wahrscheinlich Anfang Februar werden Experten des Landesumweltamtes und des Kreises zu dem Thema Stellung nehmen und Fragen der Anwohner beantworten. Wir informieren rechtzeitig über den konkreten Termin.

Unternehmen will Problem in den Griff bekommen

Die Firma "biw" hat zu der Problematik Stellung genommen. Sie will im Laufe des Monats mit dem Kreis und der Bezirksregierung einen Zeitplan entwickeln, wie die Emission gestoppt werden kann. Schon bald sollen sich externe Fachleute des Problems annehmen. Nach eigenen Angaben steht das Unternehmen bereits seit Dezember mit der Bezirksregierung in Kontakt.


Bundesweite Auswirkungen möglich

Der Ennepetaler Fall gilt als Novum. Die Branche der silikonverarbeitenden Betriebe ist bislang nicht mit PCB in Verbindung gebracht worden. Daher soll das Thema auch auf Landes- und Bundesebene angesprochen werden, bis hin zum Umweltbundesamt. Die gesamte Branche soll in den Fokus rücken, sagt Wolfgang Flender vom Kreis. Er verspricht: "Wir werden alles menschenmögliche unternehmen, um Klarheit in die Sache zu bekommen."

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